Zeit zu zweit in Gelderland- Wie wir uns in die Achterhoek verliebten

Zeit zu zweit in Gelderland- Wie wir uns in die Achterhoek verliebten

„Onthaasten in de Achterhoek“ – so heißt der kleine Ferienpark in Lievelde, den wir für unseren Trip ausgesucht haben. Ins Deutsche übersetzt verspricht der Name „Entschleunigung“. Das klingt verführerisch – und tatsächlich kommt genau die schneller als erwartet. Kaum passieren wir bei Bocholt die Grenze fädeln sich gleich zwei Trecker vor uns auf die schmale Landstraße ein. Die Fahrer winken uns gut gelaunt zu und uns bleibt nichts anderes übrig, als schon jetzt einen Gang runterzuschalten. Was wir nicht wissen: Während die Achterhoeker Landschaft langsam an uns vorbeizieht, bereitet unser Vermieter schon alles für einen buchstäblich warmen Empfang vor. Bei der Ankunft knistert ein Feuer im Ofen des großen Badefasses, das neben dem Ferienhaus auf uns wartet.

Villa Mondriaan

Auch die Gartenliegen üben eine große Anziehungskraft aus, doch die Lust auf neue Entdeckungen siegt. Die Unterkunft ist eine gute Ausgangsbasis für eine Tour durch die Region Achterhoek, die wörtlich übersetzt „hinterer Winkel“ heißt. 15 Autominuten entfernt befindet sich Winterswijk, wo es uns in die „Villa Mondriaan“ am Rande der Innenstadt zieht. In dem weißen Gebäude lebte der Künstler Piet Mondriaan in seiner Jugend. Hier entdeckte er seine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen. Wir wandeln durch die ehemaligen Wohnräume und bleiben gebannt vor Landschaftsmalereien und Portraits stehen, die auf den ersten Blick so gar nicht an den späteren Meister der Moderne erinnern. Gemälde mit den charakteristischen roten, gelben und blauen Formen suchen wir vergeblich. Dafür zeigen die über 50 Exponate, wie Mondriaans Kunst Stück für Stück abstrakter wurde. Audioguide ausleihen und genauer Hinsehen lohnt sich!

So schmeckt die Grenzregion

Brouwhoes

Wir fahren zurück nach Lievelde, wo wir mit Tim Wieggers im „Brouwhoes“ verabredet sind. Schon von weitem sehen wir das riesige, von Feldern umgebene Brauhaus. Wer unter dem reetgedeckten Dach ein altbackenes Wirtshaus erwartet, wird am Eingang große Augen machen. Tim drückt uns einen Flaschenöffner in die Hand und führt uns auf den Dachboden. „Ihr gehört zu den allerersten Gästen, die das hier sehen“, sagt er, während wir die Treppe hinaufsteigen. Wir hören ein leises Gluckern und Zischen. Vor uns tauchen kleine Rädchen auf, ein überdimensionales Thermometer, Körbe mit Getreide. „Wir haben hier acht Räume gestaltet, in denen Besucher den Bierbrauprozess spielerisch kennenlernen können“, erklärt Tim und aktiviert mit einem der Flaschenöffner den ersten Film. Paare, Familien oder Freunde können zwischen Niederländisch, Englisch, Deutsch und Spanisch wählen, müssen Quizfragen beantworten und Punkte sammeln.

Kaasboederij Weenink

Die „Bier Experience“ endet im Keller zwischen den Braukesseln, die tatsächlich in Betrieb sind. Wer Fragen hat, kann sich hier direkt an den Braumeister wenden. Zur Belohnung gibt es für uns ein frischgezapftes Blondes, das wir im außergewöhnlich gestalteten Gastraum genießen. Durch die großen Fenster fällt unser Blick auf den gegenüberliegenden Bauernhof, die „Kaasboerderij Weenink“. Auch sie bietet Besuchern mehr als nur Produkte aus eigener Herstellung, wie Tim erzählt. Das Erlebnis steht im Vordergrund. Im Hofladen treffen wir Johannes Weenink, der uns entlang der Kuhställe und Melkstationen in eine Halle mit hunderten Käselaiben führt. Der würzige Duft ist herrlich. Ausflügler können spontan an Führungen teilnehmen, größere Gruppen sollten sich für den Blick hinter die Kulissen anmelden. Wer es lieber sportlich mag, kann zwischen den grasenden Kühen Bauerngolf spielen – eine Sportart, die 1999 tatsächlich genau hier erfunden wurde.

Überraschung zum Frühstück

Überraschung zum Frühstück

Der nächste Tag startet mit einem Klingeln an unserer Ferienhaus-Tür. „Bin ich hier richtig?“, fragt ein Herr mit Anzug und Melone. Wir schauen uns überrascht an, denn wir hatten zwar Frühstück gebucht, doch sicher keinen Butler erwartet. Fred de Vries trägt einen großen Korb ins Wohnzimmer und zaubert neben einem Kerzenleuchter und Rosen allerlei Leckereien hervor.

Museum MORE

Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Ruurlo. Im gleichnamigen Schloss wartet Museum Nummer zwei auf uns. Wir folgen einem gewundenen Pfad, der an einer gläsernen Brücke endet. Die moderne Konstruktion führt über den Schlossgraben und direkt zum Eingang des Museums „MORE“. Hinter den dicken Mauern ist die größte Sammlung von Werken des Malers Carel Willink ausgestellt, der u.a. für seine düsteren Stadtansichten und Wolkenlandschaften bekannt ist. Vor den verschiedenfarbigen Seidentapeten kommen sie besonders gut zur Geltung.

Weingoed Monferland

Ein starker Kontrast zum strahlend blauen Himmel, der uns draußen erwartet und zur letzten Station der kleinen Reise begleitet. Nach Bier und Käse soll heute ein weiteres regionales Produkt auf unserer Speisekarte stehen. Es geht nach Gendringen, wo wir fast die richtige Abzweigung verpassen, doch Leon Masselink hat uns schon kommen sehen und zeigt uns den besten Parkplatz vor seinem „Wijngoed Montferland“. Der Winzer baut hier auf 4 Hektar Qualitätsweine an. 400 Flaschen davon haben Willem-Alexander und Maxima schon als Gastgeschenk mit nach Wiesbaden genommen, wie wir bei einer Kostprobe mit Blick auf die Weinreben erfahren. Leon begrüßt regelmäßig spontane Besucher und Gruppen, die sich zu Führungen anmelden und denen er von seiner Heimat erzählen kann. Seine Liebe zur Achterhoek ist ihm anzusehen – und auch wir haben uns längst in die Region verguckt.

Auf unserer Reise haben wir viel und lecker gegessen. In Winterswijk lohnt ein Abstecher zum Lunchroom „Bijzonder Gewoon“. Ein echter Geheimtipp, denn die meisten Besucher tummeln sich in den Cafés am Marktplatz. Abseits vom Trubel haben wir einen frischen Salat der Saison genossen, zubereitet und serviert von Mitarbeitern mit und ohne Behinderung. Empfehlen können wir außerdem das Restaurant „Avenarius“, das in einem altehrwürdigen Gebäude am Stadtrand von Ruurlo untergebracht ist. Auf der gemütlichen Veranda fiel unsere Wahl auf Heilbutt an Karotten und schwarzer Pasta. Lekker! Auf dem Weg zu Leons Weingut sind wir im Restaurant „Carpe Diem“ eingekehrt. Wo vor zehn Jahren noch Pferde im Stall standen, befindet sich heute ein urgemütliches Lokal.

  • Villa Mondriaan
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  • Onthaasten in de Achterhoek
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  • Museum MORE
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  • Weinngoed Montferland
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